Isa Lohmann-Siems Stiftung

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Vergangene Projekte

Projekt 2018/19

InBetween - TEILPROJEKTE -

Zwischen Natur und Architektur. Stein und Raum in der italienischen Renaissancemalerei

Isabella Augart

Das Teilprojekt beschäftigt sich mit Phänomenen des ›InBetween‹ bei Landschafts- und Architekturdarstellungen in der italienischen Tafelmalerei des 15. Jahrhunderts. Im Fokus stehen die Räume, die im Bild durch das gemalte Material Stein entstehen. Stein begegnet dem Betrachter sowohl im Kontext des Raumes der »Natur«, etwa in Berglandschaften voller schroffer Felsblöcke, als auch im Kontext des Raumes der »Architektur« mit von Menschenhand geformten Gebäuden, Bauschmuck und Skulpturen. Ziel des Teilprojektes ist es, anhand von Fallstudien zu ausgewählten Werken von Künstlern des 15. Jahrhunderts (u.a. Bartolomeo Montagna, Amico Aspertini und Ercole de‹ Roberti) die Materialität von Stein in eben jenem Übergangsbereich zwischen der als schöpferisch verstandenen Natur und der menschlichen Formgebung in der Architektur zu beobachten. Wie werden in den Bildern unwirtliche Landschaften mit Spuren menschlicher Existenz an den Bergen kulturalisiert? Wie bilden sich innerhalb der Berglandschaften in Höhlen und Felsspalten Behausungen für Heilige und Eremiten heraus? Wie wird das InBetween zwischen Natur und Architektur vom Lösen der schweren Brocken aus den Steinbrüchen bis hin zur Bearbeitung auf den Baustellen von den Malern thematisiert? Wie wird das Zerbrechen und Zerfallen von antiken Gebäuden dargestellt, welche die einstige Größe Roms als »Erinnerungslandschaft« vor Augen führen? Wie werden die Gebäude wieder in den Kreislauf der Natur zurückgeführt? Während mit dem Material Stein meist Festigkeit und Schwere, Permanenz und Stabilität verbunden wird, soll mit dem Teilprojekt gezielt nach Momenten der Veränderung gefragt werden.

Zwischen den Welten – Illusion, Realität und das Dazwischen im Video Game

Sophia Kunze

In der kunsthistorischen Auseinandersetzung ist die Frage nach dem Verhältnis von ›illusioniertem‹ Bildraum und ›realem‹ Betrachterraum von großer Bedeutung. Entscheidend ist dabei die Frage nach dem Ort der Betrachtenden – ›gehen‹ sie ein in die illusionierte Welt und wenn ja, bis zu welchem Grad? Und was hieße ›Eingehen‹ in eine illusionierte Welt – Interaktion, starke emotionale Affizierung oder Verlust des Bezugs zur Realität? Im Zuge der Digitalisierung der Bildwelten wird diese Frage erneut virulent. Das Teilprojekt möchte sich dieser Frage für den Gattungstyp Video Games nähern. Dabei handelt es sich um operative, digitale Bewegtbilder. Das heißt, ein Spieler oder eine Spielerin agiert auf Basis der visuellen Informationen im Bild, welches sich durch den Eingriff verändert und neue Informationen liefert. Man kann von einem permanent dialogischen Bildgebrauch sprechen. Vordergründig vermag diese Technik die Grenzen zwischen Real- und Bildraum verwischen, was unter dem Begriff der Immersion, also des ›Eingehens‹ in die Illusion, beschrieben und aktiv provoziert wird. Genau dieser Moment ist schwer zu fassen, da er graduell variiert und sicherlich niemals das Ziel einer vollkommenen Einswerdung beider Welten hat. Das wiederum steht in einer Tradition mit anderen Bildverfahren, wie beispielsweise dem Film. Dennoch nutzt das Medium aktiv spezifische Bildstrategien, um sich diesem Modus anzunähern. Das Teilprojekt will sich aus bildwissenschaftlicher Perspektive diesen Strategien nähern, da davon auszugehen ist, dass bereits im Bild und durch den Bildgebrauch die Qualität des Dazwischen beider Welten angelegt ist.

Zwischen Wachstum und Niedergang – Stadtquartiere im Umbruch

Teresa Stumpf

Das Teilprojekt beschäftigt sich mit Stadtquartieren, die in eine sozialräumliche Umbruchsituation geraten: Eine große Anzahl an Menschen, die sich in Folge von Gentrifizierungsprozessen andernorts Wohnraum nicht mehr leisten kann, wird in bereits segregierte und von relativer Armut geprägte Bereiche der Stadt verdrängt. Am Beispiel des Berliner Stadtbezirks Marzahn-Hellersdorf wird untersucht, wie die daraus resultierenden Migrationsbewegungen sich sowohl physisch-architektonisch als auch sozial im Stadtraum manifestieren: In den vor allem von Plattenbauten aus den 1970er- und 1980er-Jahren dominierten Quartieren herrschte bislang oft Leerstand und Verfall. Inzwischen wird der Wohnraum in diesen Häusern dringend benötigt. Wie wirkt sich dieser Wandel auf die Wertigkeit der Bauten als (alter) neuer Wohnraum aus? In welchem Ausmaß erfolgen Sanierungs-, Restaurations- und Bauergänzungsmaßnahmen und wie verändern sich dadurch Lebensstandard und -kosten der Bewohnerinnen und Bewohner? An welchen Orten und auf welche Weise begegnen sich alteingesessene und neu hinzuziehende Einwohnerinnen und Einwohner? Und welche Dynamiken, Konflikte, aber auch Formen von Solidarität entstehen vor dem Hintergrund der sich durch steigende Armut und Konkurrenz um Wohn- und Sozialraum verschärfenden sozialen Situation? Aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive sucht das Teilprojekt gezielt nach Momenten der Aushandlung und des dazwischen-Seins in der Architektur und im Sozialraum des Stadtquartiers.